Leseprobe „Whitehill Mysteries: Puppenspiel“

Auszug aus Kapitel 7

[…] »Hallo?«, rufe ich vorsichtig nach oben, ohne zu wissen, welche Reaktion ich darauf erwarte. Am besten wahrscheinlich gar keine. Oben ist es ruhig. Nichts rührt sich. Habe ich mir den Knall vielleicht nur eingebildet? Der Griff um das Messer lockert sich etwas und ich lasse die Hand sinken, als genau in dieser Sekunde schnelle Schritte zu hören sind. Kleine, trippelnde Füße, die an Geschwindigkeit zunehmen, während sie über die alten Holzdielen in der ersten Etage laufen.

»Wer … wer ist da?«, stammle ich und hoffe und bete innerlich, dass mir niemand antworten wird. Wer sollte um diese Uhrzeit durch mein Haus rennen? Es ist verrückt, total verrückt! Meine Handinnenflächen beginnen zu schwitzen, was es mir immer schwerer macht, das Messer zu halten. Außerdem zittere ich mittlerweile so sehr, dass die Gefahr größer ist, mich selbst damit zu erwischen als irgendeinen Eindringling. Wer oder was auch immer durch unser Haus rennt, wird nicht müde, seine Runden fortzusetzen. Immer wieder hallen eindeutig Schritte durch das gesamte Gebäude – direkt über meinem Kopf, in Richtung meines Zimmers, durch die Bibliothek und sogar an den Treppen vorbei. Doch sehen kann ich nichts.

»Ich rufe die Polizei!«, drohe ich und weiß doch, dass dies kein Fall für Polizisten sein wird. Als Antwort auf meine Drohung erhalte ich markerschütterndes, hallendes Kinderlachen.

Es mündet in ein Kichern, so grausig und unfassbar unschuldig zugleich, dass mir übel wird.

»Wer auch immer du bist, hör auf damit! Das ist nicht mehr lustig!«

Daraufhin wird das Lachen noch eine Oktave höher und sticht in meinen Ohren. Die Schritte halten für einen Moment inne, und gerade, als ich denke, dass es vorbei ist, kommen sie die Treppe hinuntergerannt. Hektisch blicke ich zwischen beiden Treppen hin und her. Nirgendwo kann ich jemanden sehen. Doch ich höre die Tritte näherkommen, immer und immer näher.

In meinem Kopf dreht sich alles, ebenso, wie ich mich immer wieder um meine eigene Achse drehe, mit dem Messer in der Hand und einem rasenden Herzen in der Brust.

»Lass mich in Ruhe!«, schreie ich. Zeitgleich wirbeln alle Vorhänge an den Fenstern um mich herum auf, als wäre etwas hindurchgeglitten und hätte sie für einen Moment mit Leben erfüllt. Dabei spüre ich genau, dass das, was mich hier bedroht, alles ist, aber definitiv nichts Lebendiges!

Und dann sagt es meinen Namen.

So flüsternd und leise, dass ich für einen Moment denke, ich hätte mich verhört.

Doch es wird deutlicher, intensiver – bedrohlicher!

»Callie!«, tönt es links neben mir, und als ich mit dem Messer voran herumfahre, hallt es mir von rechts entgegen. »Callie!« Dann von vorne, von hinten und sogar von der Decke auf mich herab.

Callie, Callie, Callie!

Immer lauter, immer bedrohlicher. […]


JETZT ERHÄLTLICH!

> WILL ICH HABEN! <