Von der Schwierigkeit, ein perfektes Buch zu schreiben…

 

Bücher können die Schlüssel zu unserer Seele sein. Sie entführen uns in fremde Welten, fernab des ständigen Alltagsstresses, der belastenden Sorgen und eintönigen Abläufe. Durch bunte Geschichten voller Fantasie können es Autoren schaffen, die Welt ihrer Leser zu erweitern und zu bereichern. Wir leben das Leben der Figuren, tauchen ein in ihre Erfahrungen und Abenteuer, kämpfen an ihrer Seite, weinen und lachen sogar mit ihnen.

Ja, ein richtig gutes Buch schafft es, uns an unserer eigenen Lebensgeschichte zu packen. Wir erkennen uns in den Protagonisten wieder, sehen sie fast als Bekannte, Vertraute oder gar Freunde und sind traurig, wenn wir ihre Geschichte auf der letzten Seite hinter uns lassen müssen, um zurück in die Realität zu kehren.

So zumindest wünschen es sich Autor und Leser: Ein besonderes Werk, das den Leser auf einzigartige Art und Weise verzaubert. Doch als Autorin weiß ich, dass das gar nicht so einfach ist. Schließlich gibt es nicht den einen Leser, auf dessen Wünsche das Buch maßgeschneidert wird. Oh nein! Im Gegenteil! Es trifft auf unzählige unterschiedliche Menschen, die selbst ganz verschiedene Erfahrungen in ihrem Leben gesammelt haben, andere Werte vermittelt bekamen, unterschiedliche Ziele und auch Prioritäten haben. Die Kunst des Schreibens liegt in meinen Augen deshalb darin, eine Geschichte zu kreieren, die in jedem Leser etwas bewirken kann. Handlungsstränge, die in dem einen Leser Glück und Vorfreude hervorrufen, können bei dem anderen Wut und Aufregung erwecken. Und das ist in Ordnung. Letztlich bedeutet es nur, dass wir alle verschieden sind und die gelesenen Worte für uns interpretieren.

Oft denke ich über negative Rückmeldungen nach und frage mich, was ich falsch gemacht habe. Wie konnte eines meiner Bücher bei so vielen Lesern totale Euphorie hervorrufen und bei anderen für Langeweile sorgen? Wie kann es sein, dass die eine Lesergruppe sich in der Geschichte für etwas begeistert, was die andere Lesergruppe vergeblich sucht?

Ich vermute, es hängt mit unseren eigenen Erwartungen zusammen. Was wollen wir lesen? Worauf freuen wir uns? Welche Bilder entstehen beim Anblick des Covers, beim Überfliegen des Klappentextes und beim Schnuppern ins Buch? Das ist so individuell, wie wir Menschen selbst. Es gibt romantische, extrovertierte, vorlaute, selbstbewusste, introvertierte, unsichere, lustige, ernste, glückliche, traurige (…) Menschen. Und so, wie sie sind und wodurch ihr Charakter sie auszeichnet, werden sie die Geschichten empfinden, in die sie eintauchen. Das ist der Unterschied zu einem Film, den wir uns anschauen. Ein Film gibt klare Handlungslinien vor, die Charaktere haben ein Gesicht, die Orte, an denen sie Leben, besitzen deutliche Erkennungsmerkmale. Spielt ein Film in der Wüste, ist es eine Wüste ohne wenn und aber. Findet die Handlung eines Buches im Sand statt, könnte das an so vielen verschiedenen Orten sein: Strand, Wüste, Sandkasten…Seht ihr die Schwierigkeit? Ein Buch regt die eigene Fantasie an. In uns entsteht und entwickelt sich etwas. Nach unseren eigenen Vorstellungen. Das ist Fluch und Segen zugleich, je nachdem, wie man es betrachtet. 🙂

 

Als Autor neigen wir oft dazu, unsere Werke zu verteidigen. Wir erhalten eine negative Rezension und in uns startet automatisch die Gegenwehr. Wir überlegen, wie es dazu kommen konnte und zweifeln an uns, aber nicht selten auch an den Eindrücken, die uns in solchen Rezensionen genannt werden, schließlich haben wir unsere Geschichte doch ganz anders gemeint! Tja, nicht nur der Leser ist individuell, auch der Autor ist es. Oft steckt in unseren Werken ein wahrer Schatz an persönlichen Erfahrungen, Eindrücken und Gedanken. Wir kreieren eine Welt, wie wir sie sehen, empfinden und genießen. Das muss nicht exakt so beim Leser ankommen, denn dieser kreiert sich vielleicht sogar eine ganz andere Welt während des Leseprozesses.

Dem perfekten Buch stehen also einige Hürden im Weg. Ich selbst versuche es immer positiv zu sehen – auch negative Rückmeldungen (sofern sie nicht wirklich objektiv sind und sich z.B. auf Rechtschreibfehler etc. beziehen) können gute Rückmeldungen sein. Sie zeigen, dass das Buch seinen Leser trotzdem erreicht hat, ihn zum Nachdenken brachte und ihn für sich erkennen ließ, was er lieber lesen möchte, wonach er eigentlich sucht und was er sich wünscht.

Natürlich ist es für uns Autoren schwer. Unschöne Rezensionen oder Kritiken können gerade Jungautoren in den Ruin treiben, weshalb es umso wichtiger wäre, dass viel mehr Menschen ihre Meinungen abgeben. Dann hätten wir ein bunteres Bild an Rückmeldungen. Aber leider tun das nur die Wenigsten.

Somit ist das Schreiben eines wirklich perfekten Buches einfach unmöglich. Denn sind wir mal ehrlich: Was oder wer ist schon perfekt? Und ist das Perfekte nicht auch total langweilig, weil es viel zu vorhersehbar ist? Ich mag das Besondere, ich liebe Individualität und ich glaube, das ist die wahre Bedeutung von Perfektionismus. Deshalb hoffe ich, dass wir nicht immer alle nur nach dem Perfekten suchen – die Leser nicht, aber die Autoren auch nicht. Jeder sollte sich auch mal auf etwas Neues einlassen können, etwas, das er so nicht erwartet hat und vielleicht auch nicht gewollt hat. Es kann eine Bereicherung sein, wenn man den eigenen Horizont erweitern kann. Aber auch dazu muss man in der Lage sein und wir wissen ja: Nichts und niemand ist perfekt. 😉