Vom Leben und Fürchten eines Traumes: Autor/in sein!

In meinem heutigen Blogbeitrag möchte ich die Gelegenheit nutzen, aus meiner Selfpublisher-Sicht ein paar Dinge über das Leben als Autorin loszuwerden, mit einigen Mythen aufräumen und im besten Fall sogar einige Augen öffnen. 🙂

Als ich im vergangenen Jahr von der Möglichkeit des Selfpublishings hörte, wuchs meine Begeisterung innerhalb von Sekunden ins Unermessliche.

Alles selber machen dürfen?

Niemand quatscht einem rein?

Mein eigener Verlag sein?

Unabhängig arbeiten?

In meinem Tempo bleiben?

 

Klang toll und ist es auch. Bis heute liebe ich die Möglichkeit, als Selfpublisherin tätig zu sein. Ich weiß momentan nicht, ob ich es gegen einen Vertrag bei einem Verlag eintauschen würde. Zu reizvoll sind die ganzen Vorzüge, die ich jeden Tag nutze, liebe und schätze.

Doch ist es wirklich alles so rosarot?

Oft unterhalte ich mich mit Freunden und Bekannten, die mich nach meinem Erfolg fragen. Aber was ist Erfolg? Definitiert er sich über den Umsatz, meinen Kontostand oder mein eigenes Gefühl? Wenn ich dann freudig antworte: „Oh, ich habe diese Woche von dem und dem Buch 10 Stück verkauft!“, dauert es keine zwei Sekunden bis ich schief angesehen werde. „Nur 10 Stück? Davon kann man doch nicht leben!“

Nein.

Davon kann man nicht leben.

Das Leben als Autorin ist toll. Ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht, teile mir meinen Tag selbst ein, schreibe, plane, plotte, recherchiere und stehe in ständigem Kontakt mit Lesern und Bloggern. Es ist ein 24h Job, der irgendwie nie aufhört und es gibt nichts Schöneres. Aber hinter diesen offensichtlich sehr angenehmen Seiten, steht auch ein ständiger Kampf. Als Autorin, die exklusiv über Amazon veröffentlicht, möchte ich euch einen kleinen Einblick in die Welt hinter den Kulissen geben:

Nur mal als Beispiel: Mein Buch „Löwenflügel“ kostet eigentlich 3,99 € als Kindle eBook. Pro Verkauf landen davon 2,30 € bei mir. Nicht viel, aber wesentlich mehr als bei einem Verlag (obwohl man das so pauschal nicht sagen kann, da zählen dann ganz andere Reichweiten, Marketingstrategien u.ä. mit rein, die das ausgleichen können – aber nicht müssen) 2,30 € klingt also ganz gut.

(Für die Vollständigkeit: „Löwenflügel“ als Taschenbuch kostet 9,99 € – ein normaler Preis für den Umfang von 300 Seiten. Davon habe ich letztendlich aber noch weniger, als von einem eBook, nämlich nur 1,40 € !)

Die Realität sieht nun allerdings so aus, dass nur die wenigsten Leser bereit sind für ein eBook 3,99 € zu bezahlen. Ist der Autor unbekannt, hat wenige Rezensionen usw. sinkt das Interesse noch mehr. Also müssen wir Autoren uns etwas überlegen. Aber was?

Es gibt für Selfpublisher diverse Möglichkeiten, um Werbung zu schalten. Man kann es auf eigene Faust in Form von Blogtouren u.ä. versuchen, man kann aber auch bezahlte Werbung auf Facebook oder anderen Plattformen wählen. Mittlerweile gibt es das wie Sand am Meer: Websiten, die anbieten, das eigene Buch gegen Geld zu bewerben. Da wird von Reichweiten gesprochen, bei denen man mit den Ohren schlackert. Mit einer einzigen Erwähnung meines Buches könnten es beispielsweise auf Seite ABC (ich werde keine Namen nennen, doch die Beispiele sind realitätsnah) 40.000 Leute sehen.

WOW!

40.000 die mein Buch sehen. Wenn nur der ein oder andere kauft, dann feiern wir!

Oder?

Erfahrungsgemäß bringen die Webemaßnahmen wenig. Zwar wird damit geworben, dass Bestsellerautoren diese Strategien genutzt haben und damit total berühmt und erfolgreich geworden sind, doch das ist wirklich die Ausnahme. Ungelogen habe ich in solche Seiten, die mein Buch einmal vorstellen, in Newslettern erwähnen, einen Banner einblenden u.ä. um die 1.000 € gesteckt. Letztendlich hatte ich davon insgesamt geschätzt 30-50 Verkäufe. Aber nein, nicht zum Preis von 3,99€. Denn wer richtig werben will, sollte dem Leser auch etwas bieten, also bitte eine 0,99 € Aktion, sonst greift ja niemand zu. Bei 0,99 € gibt es satte 0,29 € Tantiemen… mit Glück habe ich also 14,50 € wieder reingeholt…von 1.000 €.

 

Ist es also generell alles sinnlos und Geldschneiderei? Nein, das möchte ich nicht verallgemeinert sagen. Es hängt von vielen Faktoren ab: In welchem Genre man schreibt, wie professionell die Aufmachung des Buches ist, welches Thema besprochen wird, wer die Zielgruppe ist und so weiter. Der ein oder andere hat sicher auch richtig Glück und profitiert von diesen Aktionen. Wiederum andere Autoren brauchen diese Werbeaktionen gar nicht erst und haben gleich Glück, ein goldenes Händchen oder die richtigen Kontakte.

Den meisten Autoren (Selfpublishern) da draußen wird es aber wie mir gehen: Wir kämpfen um jeden Verkauf von morgens bis abends.

Natürlich haben wir uns das ausgesucht und wir lieben unseren Beruf. Wir lieben das Schreiben, das Eintauchen in die Phantasiewelten, das Leben durch die Protagonisten. Wir lieben den Kontakt zu euch Lesern, die Freiheit, die Selbstverwirklichung. Aber wir sind eben auch nur Menschen. Wir haben Hoffnungen und Wünsche und knallen ziemlich oft mit dem Kopf voran auf den harten Boden der Realität auf.

Autor zu sein ist heute kein Kinderspiel mehr. Gerade weil es diese wundervolle Möglichkeit des Selfpublishings gibt, öffnet es so viele Türen, dass Millionen von Menschen sie nutzen. Die Chance des Erfolgs eines Einzelnen minimiert das natürlich drastisch.

Zudem sagt man, ein Selfpublisher sollte – um Fuß zu fassen – 4 Bücher / Jahr veröffentlichen. In den meisten Fällen klappt das gar nicht, denn es gibt vielleicht nochFamilie, sicher aber einen Vollzeitjob und viel zu wenig Zeit, um sich der eigenen Berufung zu widmen. Doch das Leben möchte bezahlt werden. Von 14,50 € aus 1.000 € Werbeaktionen wird das nicht funktionieren. Ganz zu schweigen von den hohen Kosten für Lektorat, Korrektorat, für das Cover und und und…

Außerdem gibt es die eBook-Piraterie. Ja, richtig gehört. Nicht nur Filme und Musik fallen darunter, sondern mittlerweile auch eBooks. Und nicht selten sind es auch solche eBooks, die NUR 0,99 € kosten würden. Doch dazu sind wahrscheinlich viele Leser nicht mehr bereit. Die Piraterie boomt. Warum nur?

Und wie oft verleihen oder verschenken Leser ihre Bücher an andere? Da wird über die Geschichte geschwärmt, die Handlung ist toll, bei den Protagonisten wird man zu Fangirls, den Schreibstil liebt man und den Autor himmelt man an – doch das Buch wird nur einmal gekauft und lieber reihum gereicht…

Ganz zu schweigen von den zahlreichen Gewinnspielen, die man mitmacht, weil man sein Buch unter die Leute bringen will. Am besten noch mit vielen Goodies – Lesezeichen mit dem Buchtitel, Kugelschreiber mit dem Autorennamen, Grußkarten mit Zitaten aus dem Buch… aber wovon bezahlen?

 


 

Warum ich das alles schreibe?

Nicht um zu meckern, zu jammern oder zu schimpfen. Sondern lediglich um für das Thema zu sensibilisieren. Es gibt zahlreiche Autoren die noch in den Kinderschuhen stecken aber trotzdem tolle Bücher schreiben. Wenn ihr sie gelesen habt und toll fandet, gebt ihnen eine Chance. Schreibt eine Rezension, redet über das Buch, den Autor, unterstützt und helft. Manch einer von uns opfert seinen letzten Cent um gesehen zu werden, dabei seid es ihr Leser da draußen, die dafür sorgen können, dass das viel einfacher geht.

Denkt beim nächsten Buchkauf an uns.

Denkt daran, wie lange wir an unseren Werken schreiben, wie viel Zeit darin steckt, wie viel Mühe und vor allem auch Herzblut, damit ihr, liebe Leser, in spannende Welten eintauchen und euren Alltag für ein paar Stunden vergessen könnt! <3

 

Autor sein ist eine Berufung und Bücher sind Gedankenschätze. Sie sollten nicht davon abhängig sein, in welchen finanziellen Ruin wir bereit sind uns zu stürzen…

 


 

Danke fürs Lesen.