Was vor der Veröffentlichung geschieht…

In den letzten Wochen ist bei mir ein wenig das Chaos ausgebrochen – wie eigentlich immer kurz vor der Veröffentlichung. Über Knoten im Kopf bis hin zu theatralischen Nervenzusammenbrüchen ist dann alles dabei. 😉

 

Seit ich als Autorin tätig bin, sind mir schon einige Menschen über den Weg gelaufen die sagen: „Bücher schreiben? Oh wie chillig.“ Klar, man stellt es sich so vor, dass ich jeden Tag mit dem Laptop in der Sonne sitze, meine Cocktails schlürfe, ein paar Worte tippe und mich dann entspannt zurücklehne. Wie die Realität aussieht, möchte ich euch heute anhand meines eigenen Fahrplans gerne mal vorstellen.

 

Als Selfpublisherin versuche ich ein Pensum von 3-4 Büchern / Jahr zu schaffen. Das allein ist schon eine Hausnummer, aber man möchte ja auch im Gespräch bleiben und der Buchmarkt ist hart umkämpft. 🙂

Als reine Schreibzeit schätze ich jetzt mal ca. 2 Monate / Buch. Dann meine ich damit aber auch, dass ich teilweise 6-8 Stunden am Tag vor dem Laptop sitze und tippe. Das ist Konzentration pur, denn ihr glaubt nicht, wie schnell man sich in solch einem Roman verrennen kann. Logikfehler schleichen sich schnell mal ein oder man hat nicht stets alle Details aufm Schirm, die man in den ersten Kapiteln genannt hat. Das ganze benötigt also auch ein gewisses System, um genau das zu vermeiden.

 

 

Einige Autoren gönnen sich nach dem reinen Schreiben eine Pause, bevor es an die Überarbeitungen geht. Ich stürze mich meist direkt hinein und habe maximal einen Tag dazwischen Zeit, um auch durchzuatmen. In der ersten Korrektur lese ich jedes Kapitel, korrigiere die ersten Rechtschreibfehler, die mir ins Auge stechen, schreibe evtl. einige Sätze um, verbessere den Ausdruck und füge etwas inhaltlich hinzu oder nehme Überflüssiges weg. Alles in allem dauert das mindestens eine Woche, wobei jedes Kapitel nach der Überarbeitung direkt an die externe Korrektur und die Testleser rausgeht.

In diesem Sinne ein dickes Dankeschön an die lieben Menschen, die meine Werke jedes Mal so kritisch betrachten und mich mit konstruktiver Kritik vorantreiben. <3

Von Extern kommen die Kapitel irgendwann wieder an mich zurück. Habe ich alle beisammen findet erst einmal ein Austausch statt. Es wird viel diskutiert und besprochen und auch Veränderungswünsche werden mir genannt. Bei der zweiten Korrektur setze ich also ersteinmal all das um. Man glaubt nicht, über wieviele Rechtschreibfehler man selbst drüberliest. 😉

Die zweite Korrektur ist deshalb so wichtig, weil ich erstmalig Meinungen von anderen zu dem Buch habe. Ich weiß nun, über welche Sätze sie beim Lesen gestolpert sind, wo Fragen aufgetaucht sind, was ihnen unlogisch oder nicht genug erklärt vorkam und letztlich auch wie Protagonisten und Handlung auf sie wirken. Das ist enorm wichtig für mich und ich versuche daraus immer das Bestmögliche zu ziehen und in die zweite Korrektur mit einfließen zu lassen. Danach gehen einige Parts, die neu hinzugekommen oder verändert wurden, manchmal nochmal an die externe Korrektur. Das entscheiden wir gemeinsam individuell.

Nach der zweiten kommt die dritte Korrektur. Erneut lese ich jedes Kapitel, finde noch immer Punkte, die ich ändern möchte und schließlich umschreibe und füge dann endlich alles zu den Kindle- und Taschenbuchformaten zusammen. Erst wenn diese vollständig sind, wandle ich die Worddatei in die fertige Kindledatei um, schicke sie mir auf meinen eigenen Kindle und starte dort mit der vierten Korrektur. In dieser geht es dann weniger um die inhaltlichen Aspekte, als viel mehr um die technischen: Funktioniert das Inhaltsverzeichnis, sind alle Absätze korrekt, ist es übersichtlich, gibt es keine leeren Seiten usw.?

Erst dann ist die eBook-Datei soweit rund und ich widme mich wieder der Taschenbuchdatei, die bei KDP hochgeladen werden muss. In der Taschenbuchvorschau prüfe ich in einer fünften Korrektur ob auch im Taschenbuch alles ordentlich aussieht.

Und erst dann wird es veröffentlicht.

Das heißt: Bevor ihr meine Bücher kaufen könnt, habe ich sie nicht nur geschrieben sondern bis zu 5 Mal überarbeitet plus die externe Korrektur und die Testleser. Ich möchte fast sagen, dass die Überarbeitung wesentlich anstrengender und zeitfressender ist, als das reine Schreiben. Man benötigt eine extreme Konzentration über viele Stunden hinweg. Wenn man auf Qualität achtet – und das ist mir bei meinen Büchern enorm wichtig – ist das wirklich harte Arbeit. Zumal die Zeit knapp bemessen ist und ich natürlich auch einen Anspruch an mich selbst bei der ganzen Sache habe. 😉

In diese ganzen Erläuterungen ist jetzt nicht mit eingeflossen, wie die Cover erstellt werden, Titel gesucht und ausgewählt werden, Recherche betrieben wird usw. Es gibt zahlreiche Dinge die im Hintergrund ablaufen. Vom Marketing mal gar nicht zu sprechen.Website und Facebookseite laufen nicht von alleine und auch die tolle Zusammenarbeit mit meinem Bloggerteam ( an dieser Stelle: Ihr seid klasse!!! ) braucht ihre Zeit…

 

Was ich euch damit zeigen wollte?

 

Autor/in zu sein ist ein wahnsinnig toller Beruf, man hat viele Freiheiten, tut, was man liebt und was einen erfüllt, aber es ist gleichzeitig auch wirklich harte Arbeit, die nicht unterschätzt werden darf. Vielleicht versteht ihr deshalb, wieso es viele Autoren so traurig macht, wenn vor allem die 0,99 € Bücher so „verramscht“ werden. Dabei geht es den Wenigsten von uns – mich eingeschlossen – um den finanziellen Ruhm. Aber es zeugt auch von einer gewissen Wertschätzung unserer Tätigkeit gegenüber, wenn ein Leser bereit ist, zumindest für ein eBook 2 oder 3 Euro hinzulegen.

Wenn man mal schaut, was wir dafür an Arbeit reinstecken, ist das eigentlich nichts…