Erste Leseprobe zum 4. Projekt

Hier kommt sie – die erste Leseprobe zum aktuellen Buchprojekt. Namen werden an dieser Stelle noch mit dem Anfangsbuchstaben abgekürzt. Wenn ihr aber sehr neugierig seid, meldet euch doch für meinen Newsletter an, einmal wöchentlich verrate ich euch dort immer als Erstes alle Neuigkeiten zu meinen Projekten und kommenden Freitag (19. Mai 2017) stelle ich euch die beiden wichtigsten Protagonisten des neuen Romans erstmalig kurz vor. 🙂
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Leseprobe

In diesem Moment packt er mich in solch einer Geschwindigkeit, dass ich gar nicht weiß, wie mir geschieht. Er hält mir den Mund zu und zieht mich hinter einen riesigen, dicken Baumstamm. Seine Haut fühlt sich kalt auf meinem Gesicht an und seine Finger riechen nach Erde. Er drückt die Hand so fest auf meinen Mund, dass ich kaum noch atmen kann.

[…]
„H., du musst mir vertrauen. Ich tu dir nichts. Bitte sei leise. Bitte.“ Meine panischen Augen finden seinen starren Blick und folgen diesem am Baumstamm vorbei zurück zum Fluss.
Da sehe ich, was ihn so in seinen Bann gezogen hat.
Eine dunkle Gestalt läuft über das Kiesbett.
Nein.
Sie läuft nicht.
Sie kriecht. Vielleicht zieht sie auch ein Bein nach. Ich kann es aus der Entfernung und in der Dunkelheit nicht richtig erkennen. Bei ihren Bewegungen macht sie ein knirschend-schmieriges Geräusch. Es tut in den Ohren weh und sorgt gleichzeitig fast dafür, dass sich mein Abendessen wieder ans Licht der Welt kämpft.

[…]
Die dunkle Gestalt nähert sich dem Felsen und scheint nach der Decke zu greifen. Mit einem schnorchelnden Geräusch presst sie den Stoff an ihr Gesicht und lässt einen markerschütternden Schrei los. Ich kann ein Wimmern nicht unterdrücken und C. zieht mich schützend an sich und legt die Arme um mich herum.
„Wenn ich bis drei gezählt habe, läufst du nach Hause. So schnell du kannst und auf direktem Weg. Hast du mich verstanden?“
Seine Stimme ist kaum hörbar, obwohl er ganz dicht an meinem Ohr ist.
„Und du?“, flüstere ich zurück, ohne die Gestalt aus den Augen zu lassen.
„Frag nicht, tu was ich sage.“
„Aber…“
„Eins…“
„Ich kann das nicht.“ Mir ist heiß, doch meine Beine fangen an zu zittern, sodass ich mich an C.’s Armen festhalte.
„Du musst.“, sagt er und streichelt mir kurz über das Haar. „Zwei…“
Hektisch schaue ich in die Richtung, in die ich laufen muss.
Ich kann den Weg kaum erkennen, weiß nicht, ob es Stolperfallen gibt und ich stürzen werde.
Wer auch immer das am Ufer ist, wird mich sehen. Es besteht keine Möglichkeit, heimlich nach Hause zu rennen. Ich will ihn noch einmal fragen, was mit ihm ist, will ihn bitten, mit mir zu kommen, doch da sagt er laut und deutlich:
„DREI!“
C. schubst mich regelrecht ins Gras und ich rapple mich zügig auf und renne.
Ich renne, ohne mich auch nur einmal umzudrehen.
Ohne zu wissen, wer oder was hinter mir ist.
Ohne die grunzenden und stöhnenden Geräusche zu beachten.
Ohne zu schreien oder zu weinen.
Ich renne wie von Sinnen, mit stechend-beißender und eisig kalter Luft in meinen Lungen und Krämpfen im Magen.
Ich renne, als gäbe es kein Gestern oder Morgen, als wäre es für immer nur noch ein Hier und Jetzt.
Ich renne, als wäre es das Letzte, was ich tun müsste.
Nach wenigen Minuten erreiche ich die Haustür, stürme ins Haus und lasse mich im Flur völlig erschöpft und außer Atem auf die Treppenstufen sinken. Mein Blick heftet an der Tür, wartet fast darauf, dass sich der Türknauf bewegt und jemand hineinkommt, doch nichts passiert.
Da legt sich plötzlich eine Hand auf meine Schulter…